Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Anna
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Spezielle Pfeile für das Daumenschießen?


Grundsätzlich unterscheiden sich die Anforderungen an die Pfeile zum Daumenschießen nicht nennenswert von denen beim Langbogen oder Recurve. Einen zum Bogen und zur Technik passenden Pfeil zu finden erweist sich aber oft als einfacher, weil bei Techniken mit Bewegung der Bogenhand der Spine des Pfeils keine so entscheidende Rolle spielt wie beim Recurveschießen. Deshalb sind recht viele Pfeile brauchbar. Und wenn sie anfangs nicht perfekt gerade fliegen, liegt das häufiger am Schützen als am Pfeil. Wer das weiß, kann sich den teuren Umweg über die Material“optimierung“ sparen und gleich an seiner Technik arbeiten. Dass für ein effektives Training alle Pfeile eines Satzes von Spine und Gewicht gleich sein sollten, versteht sich von selbst.

Material

Ich persönlich empfehle zum Anfang Carbonpfeile, weil damit die Beschaffung eines einheitlichen Satzes sowie Nachkaufen von Ersatz mit gleichen Eigenschaften am einfachsten ist. Und wer eine neue Technik lernt, sollte sich auf das Schießen konzentrieren können und nicht fürchten müssen, dass eventuelle Probleme doch am Material liegen. Wer lieber von Anfang an Holzpfeile schießen möchte, muss für entsprechend gute Pfeile etwas mehr Geld ausgeben oder selbst bauen. Es ist möglich, Holzpfeile mit ausreichender Qualität auch für Turniere für 4€/Stück Materialpreis zu bauen. Aber das ist natürlich mit mehr Arbeit verbunden. Was für Holzpfeile spricht ist, dass man sie bei Bruch ohne großen Aufwand selbst reparieren kann – dafür sind Carbonpfeile wiederum in der Regel robuster.

Spine

Die bekannten Faustregeln oder Tabellen zum „richtigen“ Spine sind beim Daumenschießen nicht aussagekräftig. Man hat eine größere Auswahl an funktionierenden Pfeilen als beim Recurve, wenn man während des Lösens den Bogen aktiv bewegt. Dadurch kann ein Kontakt zwischen Pfeil und Bogen, der zu einer seitlichen Ablenkung führen würde, verhindert werden. Ich habe auf demselben Bogen schon Holzpfeile genutzt, die sich bei ansonsten gleichen Daten im Spine um 25# unterschieden, bei identischem, gutem Pfeilflug und Trefferbild. Zum Anfang kann man also beispielsweise bei ungefähr ähnlichem Zuggwicht zunächst die Pfeile verwenden, die man sowieso auf anderen Bögen nutzt.

Länge

Daumenschießen funktioniert mit verschiedensten Auszugslängen und Ankerpunkten. Man kann das beibehalten, was man von einem anderen Bogen gewohnt ist, oder Neues ausprobieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Anfänger es angenehm finden zum Ohr oder weiter zu ziehen. Mit ausreichend langen Pfeilen hält man sich die Möglichkeit offen, das auszuprobieren. (Wenn der genutzte Bogen beim gewünschten Auszug nicht schon im Stackingbereich ist.) Da der Pfeil direkt auf der Bogenhand aufliegt, ist es ratsam ihn auch bei bekanntem, konstantem Auszug etwas länger zu machen als nötig. Das verringert das Risiko von Verletzungen, falls doch man einmal weiter zieht als üblich.

Befiederung und Spitze

Da wir den Pfeil direkt auf der Bogenhand auflegen, sollten die Pfeile Naturfedern haben. Um Verletzungen durch die Federkiele zu vermeiden, empfiehlt sich eine Wicklung oder anderweitige Sicherung des Federanfangs. Im Allgemeinen bremst eine große Federfläche zwar mehr, erlaubt aber auch einen etwas ruhigeren Pfeilflug, wenn der Ablass anfangs noch nicht perfekt ist. Wen es stört, dass er beim Greifen mit der Zeit die Federn beschädigt, kann sie mit etwas mehr Abstand zur Nocke anbringen als beim Recurve üblich. Allerdings ist die Stabilisierungswirkung am Besten, wenn die Federn möglichst weit hinten am Schaft sitzen.
Eine eher schwere Spitze begünstigt ebenfalls einen geraden Pfeilflug bei unsauberem Ablass. Das soll aber nicht zu Extremen verleiten – Training ist immer noch der schnellste und günstigste Weg, den Pfeilflug zu verbessern.
In diesen Punkten findet Jeder mit der Zeit das Optimum für sich selbst.

Beispiele

Und weil an den Pfeilen so Vieles dem eigenen Geschmack überlassen ist, zeige ich im Folgenden stellvertretend einige Beispiele. Es ist keine Patentlösung und ich gebe keine Garantie, dass genau solche Pfeile auch auf Eurem Bogen funktionieren. Aber ich habe die folgenden zwei Pfeilsätze mit Bögen von 22# bis 50# geschossen und war jeweils mit dem Ergebnis zufrieden. Hauptsächlich wurden sie für 3D-Turniere mit meinem 40# Kaya KTB genutzt. Ich habe einen Auszug von 29“.

Carbon:


Schaft: Easton Powerflight, Spine: 500, Länge: 30“
Befiederung: 3x3,5“ Naturfedern, Spitze: 125gn (+20gn Insert)
Gesamtgewicht: 25g/ 388gn
Materialpreis: ca. 6€

Holz:


Schaft: Kiefer 5/16, Spine: 45-50#, Länge: 30“
Befiederung: 3x4,5“ Naturfedern, Spitze: 125gn
Gesamtgewicht: 34g/ 522gn (Satz auf +/-1gn gleich)
Materialpreis: ca. 4€

Besonders leichte Pfeile:
Für einen sehr schwachen Bogen sind die eben gezeigten Pfeile natürlich schon reichlich schwer. Mein 22# Windfighter hat sich zwar selbst mit 25gpp noch ganz gut geschlagen und zum Techniklernen auf kurze Distanz spielt es keine große Rolle, wie schnell die Pfeile unterwegs sind. Aber der Vollständigkeit halber zeige ich hier noch ein Beispiel besonders leichter Pfeile für schwache Bögen:



Schaft: Aurel Agil, Spine: 700, Länge: 30"
Befiederung: 3x3“ Naturfedern, Spitze: 60gn (+20gn Insert)
Gesamtgewicht: 16g / 245gn
Materialpreis: ca. 8€




(Anna)