Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Vorwort: 

 

Beim beschäftigen mit dem Zielen widmete ich mich aus Neugier auch den Quellen für das Schießen mit dem englischen Langbogen. Nicht dem Kriegsgerät, denn das Scheibenschießen ist für uns wesentlich interessanter, da das 3D-Schießen eine der Scheibenschießdisziplinen ist. Ich denke, diese Methoden sind mindestens einen Blick wert, da der Elb auch ein Bogen ist und ebenfalls über den Handrücken - und zwar über die falsche Seite - geschossen wird. Dadurch ergeben sich meiner Meinung nach genug Parallelen für einige Anregungen. Mein Ziel ist es, die folgende Quelle den deutschen Daumenschützen nutzbar zu machen, in dem ich den zentralen, lehrreichen und lesenswerten Teil übersetze. Das (verlinkte) Original ist recht langatmig und nicht leserfreundlich. Dennoch ist der Inhalt meiner Meinung nach lesenswert genug, und die Textform lässt sich recht leicht aufmotzen.

 

Dieser Text handelt über das Scheibenschießen, und dieses Scheibenschießen mit dem Langbogen zu seiner Zeit kann man sich ähnlich wie auf diesem Video vorstellen.

 

Quelle: www.youtube.com

Natürlich ohne den Türkenbogen, aber dieses Schmankerl muss man doch genießen!

 

 

Hauptteil:

 

Exkurs: Zielen mit dem englischen Langbogen, Teil 1 von 2:

 

Horace Ford

 

 

 

Horace Ford war ein gerühmter und erfolgreicher Scheibenschütze mit dem englischen Langbogen. In seinem Buch: Archery - it’s theory and practice (Link geht zu www.archerylibrary.com), dass 1859 in zweiter Auflage erschien, gibt es ein Kapitel über das Zielen, dass drei mal so lang ist, wie das Kapitel über das Zielen in Arab-Archery.

 

Ford beschränkt sich für seine Beschreibung des Zielens auf Distanzen bis etwa 120m. Bei weiteren Schüssen würde das Treffen eher eine Glücksfrage oder Raterei, als eine Frage der Schießkunst, da die Flugbahn sehr lang ist, was den Einfluss von Wind und Wetter drastisch erhöht. Außerdem wird das Ziel unvermeidlich durch die hohe Bogenhand verdeckt. Trotzdem wird ein guter Bogenschütze immer besser sein, als ein schlechter, da er weiterhin von seiner Schießkunst profitiert. Aber je stärker äußere Einflüsse auf die Treffergenauigkeit werden, desto geringer werden die Einflüsse seiner Schießkunst.

 

Er beschreibt das Zielen (ähnlich wie Ibn al-Maymun in Arab-Archery) als das Unverständlichste und Wissenschaftlichste, was mit dem Bogenschießen verbunden ist. Es sei am schwierigsten zu lehren, und gleichzeitig das wichtigste, was man lernen muss.

Als Erfolgsrezept gibt er den Willen an, zu verstehen, was universell gültig ist.

Er beginnt mit ein paar generellen Worten zu den Gesetzen der Optik, die beim Thema des Zielens mit Pfeil und Bogen Anwendung finden:

“Wenn beide Augen auf ein einzelnes Objekt gerichtet sind, wie z.B. das Gold der Zielscheibe, dann treffen sich ihre Blickachsen genau dort und die Augen sind auch exakt darauf ausgerichtet. Dies ergibt den Eindruck der direkten Sicht auf das Objekt. Gleichzeitig nehmen wir Objekte rechts und links vom Ziel wahr. Deren Wahrnehmung können wir indirekte Sicht nennen. Jeder Gegenstand der von der indirekten Sicht erfasst wird, wird mehr oder weniger Deutlich wahrgenommen, je nach Abstand zum Zielpunkt und auch von den Blickachsen. Dies betrifft auch Teile eines Objektes, die weiter weg von den Blickachsen oder dem Zielpunkt sind. Die schärfste Wahrnehmung bei indirekter Sicht sind Objekte, die möglichst vollständig entlang einer Sichtachse zu sehen sind.“

 

Um nun beim Zielen beim Bogenschießen auf einen Grünen Zweig zu kommen müsse man auf drei Dinge achten:

  1. den Punkt, den wir treffen wollen

  2. den Punkt, auf den wir anhalten (z.B. 5cm unter dem Zielpunkt)

  3. den kompletten Pfeil entlang des Schaftes (anders kann man die wirkliche Flugbahn nicht abschätzen)

     

"Eine Ergänzung zum Anhaltepunkt: Nehmen wir mal an, man schießt bei Seitenwind auf 70m. Bei ruhigem Wetter seien der Anhaltepunkt und das Gold identisch. Wenn man trotz des Seitenwindes diesen Anhaltepunkt wählt, wird der Wind seinen Pfeil nach rechts oder links tragen. Daher muss er neben das Gold anhalten, also eine andere Stelle als das Gold mit seinem Referenzpunkt (Pfeilspitze o.Ä.) verdecken. Und dieser Punkt neben dem Gold wäre dann sein Anhaltepunkt.

Die direkte Sicht kann jedoch nur auf einen Punkt ausgerichtet sein, und dieser Punkt darf nie der Pfeil sein, sondern entweder das Ziel, oder der Anhaltepunkt. Hält man windbedingt, rechts oder links neben das Ziel an, so muss der Anhaltepunkt fokussiert werden, da man den Pfeil in diese Richtung schießen will, folgert Ford. Der Pfeil wird ja auch erst durch den Wind ins Ziel getragen.

Das Problem wäre, fährt er fort, dass sich dann die Sichtachse kreuzen und dies macht das Visieren unpräzise.

Liegt der Anhaltepunkt über dem Zielpunkt, wird der Zielpunkt sicher irgendwie verdeckt, sei es durch den Pfeil oder die Bogenhand. Daher bleibt in diesem Fall nur noch der Zielpunkt übrig. Liegt der Anhaltepunkt lotrecht unter dem Zielpunkt, wäre es am besten, den Zielpunkt zu fokussieren. Um das System einheitlich zu halten, empfiehlt es sich auch hier den Anhaltepunkt zu fokussieren.

Ford fokussiert also immer den Anhaltepunkt, und richtet dann den Pfeil auf der direkten Linie zu diesem aus. Dazu muss dann der Pfeil unter dem dominanten Auge liegen. Den Begriff des dominanten Auges kennt heute jeder Bogenschütze, aber auch Ford war er unbekannt, daher breche ist das mal darauf herunter."

 

 

Wenn man dies beim Daumenschießen erreichen will, fallen mir dafür drei Methoden ein:

 

1. Man ankert am Jochbein (in den orient. Quellen eher verpönt) und hält Kopf und Bogen ähnlich gekantet, wie beim Asbell-Stil (Bogenjäger aus den USA)

 

2. Man ankert – wie gewohnt – Zwischen Kotelettenbart und Ohrläppchen, mit dem Pfeil auf Höhe der Lippen, und kantet den Kopf und den Bogen etwas weniger

 

3. Man ankert – wie gewohnt – Zwischen Kotelettenbart und Ohrläppchen, mit dem Pfeil auf Höhe der Lippen, und dreht den Kopf etwas zum Pfeil hin, also relativ Mittig zwischen dem direkten Blick auf das Ziel und der normalen Haltung beim Stehen und Reden.

 

 

Simon