Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Stephan
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Nachdem der Daumenschütze seine Technik erfolgreich umgesetzt hat, kann er wenn er möchte sich dem Pfeiltunig verschreiben. Beim Pfeilbau haben die Osmanen eine wahre Wissenschaft betrieben.

 

Im Folgenden werde ich euch nun erläutern, nach Beschreibungen von Adam Swoboda, wie solche osmanischen Pfeile, im speziellen osmanische Scheibenpfeile, zu bauen sind bzw ich das tue. Ziel ist es optimale osmanische Pfeile für das 3D-Schießen zu fertigen, sprich eine noch gestrecktere Flugbahn des Pfeiles zu erreichen. Eine gute Erfahrung und ein gutes Verständis über die Pfeilphysik setze ich voraus und werde daher nicht auf jedes Detail eingehen.

 

Grundsätzliches über den Pfeilflug: Ein Pfeil fliegt, wenn er aus dem Bogen kommt keineswegs einfach nur schnurgerade. Er muss sich erst einmal stabilisieren. Dies wird zum Einen durch einen sauberen Ablass, eine gezielte Technik der Bogenhand und das Pfeiltunig erreicht. Bei Letzterem gilt es am Anfang und am Ende des Pfeil die Schwungmasse deutlich zu verringern, die Hebelkraft der Federn zu erhöhen und das Spitzengewicht eher gering zu halten.

 

Dies erreichen wir folgendermaßen:

 

1. Wir besorgen uns einen absolut qualitativ hochwertigen Satz  Holzschäfte (Kiefer am besten) im selben Gewicht, mit einem homogenen  und passenden Spine (max 5# Differenz) und mindestens fünf Jahresringen.

 

2. Wir verjüngen die Enden des Schaftes mittels Hobellade oder Schleiflade auf ca 6,8mm.

Die 6,8mm richten sich dabei nach pragmatischen Gründen, da die kleinste Pfeilspitze auf dem Markt einen Innendurchmesser von eben 6,8mm aufweist.

Die Verjüngung passiert dabei auf einer Länge von 9" bei einer Schaftlänge von 28", also ca einem Drittel..

 

3. Wir spitzen das Ende des Pfeils mit einem "tapertool" an und kleben  mit Epoxy Holznocken aus dem normalen Handel darauf. Diese verschleifen wir dann am Bandschleifer passend.

 

4. Wer möchte kann nun den Pfeil farbenprächtig bemalen, muss es aber nicht. Eine Lackversiegelung ist aber absolut erforderlich.

 

5. Für die von mir gemachten osmanischen Pfeil habe ich für die Federn die Außenfahnen von der Graugans verwendet. Normale Truthahnfedern gehen aber  natürlich auch.

 

6. Nun setzen wir die Federn auf dem Pfeilschaft. Die Federn beginnen beim Nockboden und gruppieren sich nicht wie üblich am Pfeil, sondern so:

Die Federform sollte sehr flach sein und die Länge maximal 5" betragen.  


7. Das Spitzengewicht orientiert sich nach zwei Punkten:

- Das Spitzengewicht sollte der siebte Teil des Gesamtgewichts des Pfeils inklusive Spitze einnehmen.

- Der optimale Schwerpunkt des Pfeils kann, nach einer Erklärung von Adam Swoboda, 

folgendermaßen ermittelt werden:

 

Zuerst wird der Schwerpunkt ermittelt

Die Hand greift vom Schwerpunkt um, in Richtung der Nocke

 Der Abstand zwischen der Nocke und der Hand wird mit einem anderen Pfeil gemessen

 

Der gemessene Abstand wird nun an die andere Seite angelegt, beginnend bei der Spitze.

Die Spitze des Messpfeiles sollte nun, bei passendem Spitzengewicht, zwischen dem Knöchel des Zeigefingers und dem Knöchel des Mittelfingers liegen.

Liegt die Spitze vor dem ersten Knöchel, so ist die Spitze zu leicht.

Liegt die Spitze hinter dem zweiten Knöchel, so ist sie zu schwer.

 

Für die Wahl der Spitzen gibt es  momentan nur einen Hersteller: TopHat mit der Small Serie.

 

Am Ende einer langen Arbeit, ich benötige ca drei Stunden pro Pfeil, haben wir das Optimale aus einm Holzpfeil herausgeholt und haben eine wesentlich flachere Flugbahn erreicht.

 

 

Ein Treffgarantie ist das aber noch lange nicht, da zum Einen die Pfeile natürlich leichter und tendenziell nervöser sind und zum Anderen Fehler in der Technik nicht ausgleichen können.

Treffen muss der Schütze schon selbst!

 

Wichtig: Der Pfeil wird nach Adam Swoboda mit der Leitfeder nach unten geschossen.

 

Dann wünsch ich euch noch viel Spaß beim basteln - ich hatte ihn.

Bei Fragen wegen Details einfach mich anschreiben.

 

Einschub 22.05.17

Da ich mittlerweile zu bequem zum hobeln geworden bin,

können die osmanischen Pfeilschäfte einfach bei pfeilgerade.com bestellt werden.

 

Stephan