Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Anna
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Ich schieße meinen koreanischen Bogen intuitiv und vom Ablauf her ähnlich wie einen Jagdbogen. Ich greife als Erstes mit der Bogenhand, nocke ein und greife dann mit der Zughand. Danach kann ich mich voll auf das Ziel konzentrieren.

Ich halte den Bogen senkrecht und während des Ausziehens etwas höher als dann im Anker. Mein Ankerpunkt ist unter dem Ohrläppchen, weil es mir im Gesicht schwerfällt, sauber zu lösen (der Daumen muss sich ja dafür zum Körper hin bewegen). Im Vollauszug ist das Handgelenk der Zughand gestreckt und der Unterarm in einer Linie mit dem Pfeil. Da ein hektischer Ablauf der Präzision schadet, bleibe ich bewusst ein oder zwei Sekunden im Vollauszug. Hier eine kleine "Pause" zu machen ist anfangs praktisch, um Ruhe in den Ablauf zu bekommen und die folgenden Schritte nicht zu vergessen. Allerdings kann man sich das nur mit einem Bogen aus modernen Materialien erlauben. Ein reiner Naturbogen könnte Schaden nehmen, wenn er zu lange im Auszug gehalten wird.

Viele von anderen Bögen bekannte Varianten in Bezug auf Ausziehen, Ankerpunkt und Zielen (bewusst oder unbewusst) können auch hier funktionieren. Die Pfeilspitze ist, da rechts vom Bogen, je nach persönlicher Physiologie im Vollauszug nicht immer im Blickfeld des Schützen. Wer systemschießen will, muss also unter Umständen auf die linke Bogenkante als Referenz zurückgreifen.

Nach Erreichen des Vollauszugs kommt noch eine Besonderheit dieser Technik: Vor dem Lösen spannt man die Muskeln der Unterarmaußenseite des Bogenarms an, als wolle man das Handgelenk in Richtung Handrücken beugen. Natürlich leistet der Bogen Widerstand und man sieht von dieser Bewegung zunächst wenig. Im Moment des Lösens entlädt sich aber diese Drehspannung: Der Bogen dreht sich um eine senkrechte Achse. Die Sehne bewegt sich vom Unterarm weg, der Bogen minimal in die entgegengesetzte Richtung. Das lässt den Pfeil berührungslos passieren.


Bogenhand vor dem Ausziehen (links) und nach dem Schuss (rechts)


Wenn die Drehung funktioniert wie sie soll, scheint der Bogen Centershot zu haben:

- Man trifft nach wenigen Versuchen dort, wo man mit dem Bogenarm hin zeigt und nicht zwei Meter rechts davon (obwohl der Pfeil auf der anderen Bogenseite liegt als gewohnt)

- Der Abschuss ist sehr leise, weil der Pfeil den Bogen nicht berührt. Schlechtes Lösen oder Drehen führt zum Anschlagen des Pfeils und hörbarem "Klappern".

- Der Pfeilflug ist gerade ohne Wedeln. Und zwar mit nahezu jedem Spine.


Beim Lösen strecke ich Daumen und Zeigefinger und bewege die Zughand einige Zentimeter in einer geraden Linie entgegen der Pfeilrichtung, das birgt m.E. am wenigsten Gefahr zu verreißen. Nach dem Schuss ist der Bogen immer noch senkrecht, das linke Handgelenk stärker als vorher in Richtung Handrücken gebeugt, der Abstand zwischen Sehne und Bogenarm hat sich vergrößert, der Bogenarm ändert seine Position nicht, der Ellbogen des Zugarms bewegt sich in Richtung Rücken und etwas nach unten, die Zughand kommt auf der Schulter zu liegen.


Ablauf kurz:
Bogenhand – Einnocken – Zughand – Auszug – Drehspannung – Lösen – Nachhalten


-> weiter zu Hinweisen für das Training


(Anna)