Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Anna
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Warum eigentlich Daumenschießen?

Für viele Bögen nach asiatischem Vorbild ist es die traditionelle Weise, sie zu benutzen. Wer den Bogen nicht nur als Dekoration gekauft hat, möchte sich möglicherweise auch mit der dazu gehörigen Schusstechnik beschäftigen. Denn Bögen und Technik wurden zusammen entwickelt und haben in dieser Kombination einige praktische Vorteile:

- Insbesondere bei einem sehr kurzen Bogen ist das Greifen mit dem Daumen einfacher als mit drei Fingern, die durch den spitzen Sehnenwinkel zusammen gedrückt werden.
- Durch die spezielle Haltung der Zughand hat man den Pfeil am Bogen sehr gut unter Kontrolle, was insbesondere Schüsse aus der Bewegung vereinfacht.
- Durch die Bogendrehung, eine weitere Besonderheit vieler Daumentechniken, braucht man keinen Armschutz und kann Pfeile sehr unterschiedlichen Spines sauber zum Fliegen bringen.


Und was auf keinen Fall vergessen werden darf: Daumenschießen macht vielen Menschen einfach Spaß!


Bogen und Pfeile

Meine Technik wurde mit koreanischen Bögen des Herstellers Kaya erprobt und ich kann diese weiterempfehlen. Auf ähnliche Weise kann man aber auch andere kurzen Bögen mit rundem oder ovalem Griff benutzen. Zum Techniklernen empfiehlt sich generell ein schwacher Bogen, obwohl man mit dem Daumen an sich dasselbe Zuggewicht bewältigen kann wie mediterran. Ein Nockpunktbegrenzer (z.B. Wicklung) sollte über dem Pfeil angebracht werden. -> Allgemeines zu Bögen

Da vielen Menschen ein weiter Auszug angenehm erscheint (ich ziehe z.B. zum Ohr), sollten Bogen und Pfeile für eine Auszugslänge geeignet sein, die ca. 2“ länger ist als eure bisherige beim Lang- oder Recurvebogen. Bei der Wahl der Pfeile ist man recht flexibel, ich empfehle am Anfang Carbon, z.B. Easton Powerflight 500. -> Allgemeines zu Pfeilen


Daumenschutz

Für alles über den ersten Versuch hinaus ist ein Daumenschutz nötig, bei einem schwachen Bogen kann das ein Handschuh oder Ledertab sein -> Daumenschießen mit Lederschutz.
Bei einem höheren Zuggewicht ist ein Daumenring empfehlenswert, weil er die auf den Daumen einwirkende Kraft besser verteilt. Für die koreanische Technik werden Ringe verwendet, bei denen das Daumengelenk stark gebeugt wird und die Sehne auf dem Ring liegt (-> Allgemeines zu Daumenringen).
Der Ring muss gut sitzen und zum Schützen und zur Technik passen. Man kann ihn aus Metall, Horn oder Kunststoff selbst herstellen oder fertig kaufen, wobei im letzteren Fall die Chancen schlechter stehen, dass er passt. Eine Ausnahme stellen die Daumenringe aus Kunststoff dar, welche auf den Fotos in meiner Anleitung zu sehen sind. Wir haben sie direkt in Korea gekauft und sie werden in vielen verschiedenen Größen angeboten, so dass hier viele Schützen etwas Passendes gefunden haben.


Benutzung des koreanischen Daumenrings

Die Öffnung des Rings ist oval. Man setzt ihn „quer“ auf und dreht ihn anschließend um 90°. Durch diese „Verriegelung“ kann man ihn nicht verlieren. Für optimalen Sitz beugt man den Daumen erst und schiebt den Ring dann so weit es geht nach oben, so dass er der Innenseite des Daumens flächig anliegt. Im Knick des Daumengelenks wird die Sehne liegen und diese Stelle schützt der Ring. Mit einem gut sitzenden Ring ist jedes Zuggewicht, für das die eigene Muskelkraft ausreicht, ohne unangenehmes Gefühl am Daumen zu bewältigen. Sollte der Ring etwas zu groß sein, kann man den Sitz verbessern, indem man etwas Pflasterband um den Daumen wickelt. Aber wie gesagt, mit einem schwachen Bogen kann man auch mit einem Handschuh oder „Tab“ aus Leder üben.




Reiterbogen?

Ich empfehle statt „Reiterbogen“ den Begriff „Reflexbogen“. Kurze Bögen aus verschiedenen verleimten Materialien wurden schon immer auch von „Fußgängern“ verwendet, manche sogar ausschließlich. Und heutzutage sind es nur sehr Wenige, die beritten Bogen schießen. Beim üblichsten Wettbewerb des traditionellen koreanischen Bogenschießens wird aus dem Stand auf eine 145m entfernte Scheibe geschossen.
Der starke Reflex im abgespannten Zustand ist hingegen tatsächlich ein Merkmal des Bogens unabhängig von seiner Verwendung. Ein Merkmal, das sich bei verschiedenen, historischen asiatischen Kompositbögen nachempfundenen Bogenmodellen findet.


Unterschiede zum Langbogen- und Recurveschießen

Der Daumen zieht die Sehne und wird vom Zeigefinger unterstützt. Der offensichtlichste Unterschied. Dabei kann bei geeignetem Daumenschutz dasselbe Zuggewicht bewältigt werden wie mit dem Dreifingerauszug.

Der Pfeil wird beim RH-Schützen rechts vom Bogengriff aufgelegt. Das scheint zunächst eine große Umstellung beim Zielen zu fordern. Oft geht der erste Pfeil an der Scheibe vorbei. Aber wenn die Technik komplett ausgeführt wird (die Bogenhand spielt hier eine wichtige Rolle), fliegt der Pfeil in die Richtung, in die man mit dem Bogenarm zeigt und man kann problemlos intuitiv oder System schießen.

Der Bogen wird fest gehalten und beim Schuss aktiv bewegt. Das ist ungewohnt, aber sehr praktisch.  Bei richtiger Ausführung der Bogendrehung spielt der Spine des Pfeils nur eine untergeordnete Rolle und es ist möglich, verschiedenste Pfeile sauber zum Fliegen zu bringen. Umgekehrt bedeutet ein schlechter Pfeilflug meist, dass beim Lösen oder bei der Technik der Bogenhand Trainingsbedarf besteht. Neue Pfeile zu kaufen nützt hier selten.

Ja, man kann jeden Bogentyp mit dem Daumen ausziehen. So kann man z.B. als RH-Schütze einen LH-Recurve testen und den Pfeil rechts auf das Shelf legen. Die Bogendrehung könnte aber Bögen, die dafür nicht gemacht sind, schaden.

Ja, ein kurzer, leichter Bogen ohne Bogenfenster oder Shelf ist bauartbedingt anspruchsvoller als ein Lang- oder Recurvebogen. Bei guter Technik kann man aber auch mit Diesem präzise schießen.

 

-> weiter zur Haltung der Bogenhand

 

(Anna)