Veröffentlichungsdatum Geschrieben von Simon
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Camera
Canon EOS 450D
Focal Length
20mm
Aperture
f/16
Exposure
1/200s
ISO
400

 

 

Seit 2010 praktiziere ich nun die Daumentechnik.

Ich begann nur mit dem Wunsch einen kürzeren und schnelleren Bogen als meinen damaligen Jagdrecurve zu schießen. Dabei steigerte sich mein Interesse für die türkischen Hornkompositbögen. Angeblich sollen diese riesig lange Pfeilflüge erreicht haben, zum Beispiel einen Schuss über den Bosporus, was ja bloß mal so ... 800m wären. Gleichzeitig sind sie in Relation zur Auszugslänge sehr kurz.

Darauf hin setzte ich mich mit Stephan in Verbindung. Er riet mir zu einem Nómad TRH Türken, also einem Bogen, der aus Holz und Kunststoffen laminiert ist, und sich in der Form an einem solchen traditionellen türkischen Hornbogen orientiert. Da meine Geduld kürzer war, als die Lieferzeit des Bogens, begann ich meinen Jagdrecurve einfach mal trocken mit dem Daumen auszuziehen. Dies half mir im Nachhinein dann das Zuggewicht des bestellten Bogens zu beherrschen, auch wenn ich mich dabei rückblickend selten dämlich angestellt habe. Der Bogen hatte auf 28 Zoll ganze 38 englische Pfund Zuggewicht, was nicht nach besonders viel klingt. Jedoch bin ich nicht so ein Hobbit wie Stephan, und bei meinem Auszug von 33" sind es dann doch 50 Pfund gewesen. Auch ich möchte Einsteigern davon abraten. "Schnappt euch den leichtesten Bogen den ihr finden könnt!", ist wirklich nicht der schlechteste Rat, im Gegenteil.

Und so trainierte ich mit gelegentlichem Internetaustausch so vor mich hin, und bemerkte auch, dass mein Pfeilflug irgendwie immer schlechter blieb, als ich das von einem Jagdrecurve gewohnt war. Nach ein paar Experimenten hier und da hab ich mich auf das konzentriert, was ich habe. Dabei stachen dann die folgenden beiden Punkte heraus:

 

- Keine Ahnung

- Keinen Trainer

 

Das mit dem Trainer abzustellen war jetzt nicht so einfach. Der letzte Bogenbauer in ungebrochener osmanisch-türkischer Tradition, Necmeddin Okyay, verstarb leider 1973. Daher ging ich davon aus, dass keinen lebenden Menschen mehr mit Ahnung gab. Daher begab ich mich auf die Suche nach alten Handbüchern und wurde da schnell fündig. Das Verständnis dieser Texte war jedoch etwas ganz anderes, als sie nur zu lesen. Hier und da schloss sich eine Wissenslücke, mein Bild von dem wie es funktionieren könnte wandelte sich mal in diese, mal in jene Richtung... doch blieb eine Problematik: Mein Pfeilflug war immer noch nicht perfekt. Die Pfeile touchierten immer noch den Bogengriff.

Ende 2012 kam das Buch von Adam Swoboda - the art of shooting a short reflexed bow in englisch heraus. Natürlich hatte ich sofort die Wissensgier im Gesicht, als ich davon hörte, und organisierte eine Sammelbestellung. Die komprimierte Form des Wissens aus den alten Büchern ist A. Swoboda meiner Meinung nach super gelungen, doch so wirklich stand darin nichts, was das touchieren des Pfeils am Bogengriff irgendwie kurieren konnte. 

Dieser Fehlende Baustein wurde erst von Stephan aus Toszek (in Polen) mitgebracht. Lange Rede, kurzer Sinn, wenn der Pfeil an den Griff knallt, muss der Griff da halt weg. Wie Swoboda völlig richtig aus den Handbüchern folgert, muss sich der Bogen während der Beschleunigungsphase des Pfeils vom Pfeil weg bewegen.

Im Nachhinein fanden sich noch ein paar versteckte kleine Hinweise auf diesen Umstand. Dies scheint damals wohl einfach selbstverständlich gewesen zu sein, und wurde möglicherweise auch mangels Kontakt mit der "englischen" Schießtechnik nie deutlich hervorgehoben. Außer Isaac Newton hat auch erstmal keiner aufgeschrieben, dass Äpfel immer grade nach unten auf den Boden fallen, so als Vergleich.

Um nun diese Bewegung des Bogens zu erreichen habe ich lange daran optimiert, wie ich den Bogen greife. Dies wird erst richtig anspruchsvoll, wenn kein Bogengriff an Fabrikbögen überhaupt in die eigene Hand passt, und man eigentlich nicht weiß, wie ein "passender" Griff auszusehen hat.

Diese elementare Technik nennt Stephan die Kipp-Drehbewegung. Sie setzt sich aus einer Bewegung des Bogengriffs vom Pfeil weg, einem Kippen der oberen Bogennocke zum Ziel hin und einem in der Horizontalen Richtung lockeren Handgelenk zusammen, was dann in Kombination stimmig ausgeführt werden muss. Nun wurde mein Pfeilflug endlich perfekt, wenn ich alles richtig machte.

 

Meinen Stil werde ich euch nun vorstellen, gerade weil er das Bogenschießen nicht einfacher, sondern viel komplizierter macht. Dies kann man zwar als Nachteil sehen, jedoch macht dieser Bewegungsablauf das Bogenschießen für mich so viel schöner, dass sich eine Wahrnehmung eines Nachteils nie wirklich festbeißen konnte.

 

Der von mir vorgestellte Stil ist immer "mein" Stil und ist meiner Physiologie (2m Körpergröße) geschuldet.

Falls ihr eher eine kleinere oder breitere Statur habt, ändern sich dem entsprechend die einzelnen Elemente. Bogen und Körper müssen einfach aufeinander abgestimmt sein.

 

Angefangen mit dem Stand habe ich einzelne Technikelemente meines Schießstils hier aufgeschrieben. Ich hoffe sie helfen Dir weiter.

 

Du kannst diesbezüglich jede denkbare Frage stellen, und auch für Anregungen bin ich immer dankbar. 

 

Gruß,

 

Simon

 

(Bei Fragen erreicht ihr mich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! )